Solarsiedlung am Plabutsch

Tragende Idee

In einem Landschaftsschutzgebiet mit steiler Hanglage sollte im Rahmen des sozialen Wohnbaus ein Niedrig-Energie-Haus entstehen. Der Entwurf sieht eine kompakte Form mit gleichmäßigem Höhenaufbau vor; durch ein begrüntes Dach integriert sich das Gebäude in den Hang. Durch planerische Maßnahmen, die der optimalen Nutzung der natürlichen Gegebenheiten dienen, weist der entstandene Wohnbau einen rechnerischen Heizenergiebedarf von nur 32 kWh/m²a auf, ohne eine kontrollierte Lüftung in Anspruch zu nehmen, wobei die Baukosten unter den veranschlagten Kosten lagen. Damit wurde das Ziel der Niedrig-Energie-Strategie - eine effiziente Energieoptimierung ohne Zusatzkosten oder kostspielige Hochtechnologie - erreicht.

Gestaltungskonzept

Der dreigeschoßige Baukörper “wächst” an der Nordseite in den Hang hinein; die Südfront bildet eine durchgehende Glasfassade, die einen Panoramablick auf Graz bietet. Der Baukörper besteht aus drei Gebäuden mit jeweils zwei Stiegenhäusern. Jedes Stiegenhaus umfaßt sieben Wohneinheiten, die sich in vier verschiedene Wohnungstypen teilen. In den unteren zwei Geschoßen befinden sich ausschließlich nach Süden orientierte Wohnungen. Darüber befinden sich Geschoßwohnungen, wobei die Wohnräume südlich und die Schlaf- und Nebenräume nördlich liegen. Die in den Hang integrierten halboffenen Garagen kommen ohne künstliche Belüftung und Beleuchtung aus.

Energiekonzept

Der Baukörper liegt im mittleren Hangdrittel, das nachts die höchsten Temperaturen aufweist. Durch seine Integration in den Hang wird dieser als Speichermasse gewonnen. Der einheitliche Höhenaufbau des Baukörpers und seine Kompaktheit verringern die Auskühlung durch Wind; die Nußbaumreihe gibt Windschutz. Mit der durchgehenden Glasfront an der Südfassade ergibt sich eine trichterförmige Öffnung zur Sonne, um die Sonneneinstrahlung optimal zu nutzen. Um im Sommer Überhitzung und im Winter Wärmeverluste zu vermeiden, ist die Glasfront mit regelbaren Lamellen ausgestattet. Energie gespart wird auch durch die Wärmezonierung der Innenräume und eine Solar-Warmwasserbereitung.

Städtebauliche Aspekte

Das Projekt liegt in Graz - Bergstraße, in den flacheren mittleren Teil des Plabutsch-Südhanges integriert, und nützt den Höhenlinienverlauf aus. Als geschlossener Baukörper wirkt das Gebäude der am Hang sichtbaren Zersiedelung entgegen und läßt den Hang in seiner Naturgegebenheit weitgehend unberührt. Durch die Situierung direkt unterhalb des Nußbaumbestands an der nördlichen Grenze des Baulands wird das Ende der Bebauung am Hang markiert.

Material

Die Stahlbetonfundamente sind mit der Felsplatte vier Meter unter dem Erdniveau verzahnt, um der Rutschgefahr vorzubeugen. Der Stahlbeton ist hangseitig als Schutzmauer ausgeführt; die anderen tragenden Wände sind aus Durisol-Stein. Die Trennwände bestehen aus doppelt geplankten Gipskartonplatten. Obwohl der Finanzrahmen sich in der Materialwahl niederschlug, war es möglich, die südliche Fensterfront mit einer hochwertigen Verglasung auszuführen.

Begleitende Forschung

Simulationen des Nutzerverhaltens ergaben, daß es den Energiebedarf um bis zu 70% steigern oder verringern kann. Diese Ergebnisse werden im Rahmen eines Forschungsprojekts durch Messungen überprüft, und die Auswirkung von gezielter Information über optimale Verhaltensmuster ermittelt. Die so entwickelten Strategien zur Niedrighaltung des Energiebedarfs werden auf ihre industrielle Anwendbarkeit überprüft.

Großer Österreichischer Wohnbaupreis 1991

Das Projekt ging aus einem österreichweiten Wettbewerb hervor und wurde 1991 mit dem Großen Österreichischen Wohnbaupreis ausgezeichnet. Die Jury begründete die Verleihung insbesondere mit der Anwendung der aktuellsten Erkenntnisse der Energieoptimierung.
Gebäudedaten

42 Wohneinheiten
49 Pkw-Abstellflächen
24.043 m² Grundstücksfläche
4.802 m² Bruttogeschoßfläche
3.541 m² Nettogeschoßfläche
3.160 m² Nettowohnfläche
Baubeginn: September 1997
Bauende: März 1999

Bauherr: Neue Heimat Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgesellschaft m.b.H., Graz / Österreich