Ökologische Sanierung von Plattenbauten
Brno, Tschechische Republik

Die Sanierung von Plattenbauten ist eine der vordringlichsten Aufgaben der Bauwirtschaft in Mittel- und Osteuropa. Durch eine energieoptimierte und umweltfreundliche Sanierung kann der Energieverbrauch im Wohnbau maßgeblich gesenkt werden. Dies führt nicht nur zu einer Reduktion der (grenzüberschreitenden) Schadstoffemissionen, sondern auch zu einer Entlastung der Zahlungsbilanz. Darüber hinaus eröffnet sich ein beträchtliches Marktpotenzial für österreichische Produkte und Anbieter, so das Fazit der Fachkonferenz der Tschechisch-Österreichischen Energiepartnerschaft zu "Energie und Architektur", die sich im Oktober 1999 in Brno u.a. mit diesem Thema beschäftigte.

Begünstigt werden serielle Sanierungsprogramme durch die hohe Standardisierung von Plattenbauten. Auch lassen sich Sanierungsstrategien länderübergreifend anpassen und im gesamten mittel- und osteuropäischen Raum einschließlich Südosteuropa anwenden. Vor Beginn von umfassenden Sanierungskampagnen sind jedoch Prototyp-Generalsanierungen erforderlich, um in der Praxis technische, wirtschaftliche und soziologische Erfahrungen am Gebäude zu sammeln, und Sanierungsstrategien auf ihre Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu überprüfen.

Im Rahmen der Tschechisch-Österreichischen Energiepartnerschaft, und in Zusammenarbeit mit der Energieverwertungsagentur (E.V.A.) erstellte eine Arbeitsgemeinschaft der Architekten DI Dr. techn. Adil LARI, Prof. DI M. Arch. Georg REINBERG und DI Dr. techn. Martin TREBERSPURG eine Layout-Studie, die Strategien für die umweltschonende, energieeffiziente Sanierung von drei typischen Plattenbauten in der Siedlung Brno - Nový Lískovec entwickelt. Die Studie erfolgte mit Unterstützung des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.

Die tragende Idee der Layoutstudie besteht darin, ein vervielfältigbares und flexibles Model für die Sanierung verschiedener Typen von Plattenbauten zu schaffen. Zusätzlich wird die Option von Dachaufbauten als wirtschaftlicher Anreiz für die Sanierung geprüft. Die drei vorgeschlagenen Strategien können, je nach den gegebenen Möglichkeiten und Mitteln, in Kombination angewendet werden, um optimale Bedingungen für die Absenkung des Heizenergiebedarfs zu schaffen. Laut einer von der Technischen Universität Graz erstellten Energiebilanz können die vorgeschlagenen Maßnahmen eine Absenkung des Heizenergiebedarfs von derzeit geschätzten 240 kWh/m²a auf bis zu 23 kWh/m²a bewirken.

Die erste Strategie legt den Schwerpunkt auf innenraum- und haustechnikbezogene Maßnahmen. Neben einer grundsätzlichen thermischen Sanierung und der Verbesserung des Grundrisses durch geringfügige Zubauten wird die Südfassade zur Gewinnung von Warmwasser, passiver indirekter Solarwärme für die dahinterliegenden Wohnungen und warmer Luft über Luftkollektoren genutzt. Die Dachaufbauten dienen gemeinschaftlichen Nutzungen (Gemeinschaftsraum, Sauna).

Das Ziel der zweiten Strategie besteht darin, die Infrastruktur für eine ökologische Aufwertung durch südliche Orientierung des Gebäudes zu schaffen, ohne den Wohnbetrieb zu stören. An der Südfassade wird ein begrünter Vorbau geschaffen, der den Bewohnern die Möglichkeit bietet, sich individuell und zum gewählten Zeitpunkt an die Infrastruktur zum Ausbau der Wohnungen in Form von Wintergärten anzubinden. Die Dachaufbauten beinhalten Wohnungen in Form von Zweispännern, wobei die Aufenthaltsräume ausschließlich nach Süden und die Schlafräume nördlich orientiert sind.

Der Schwerpunkt der dritten Strategie liegt auf der Verbesserung der Grundrisse und Innenräume der Wohnungen, und auf der Anhebung der Wohnqualität durch eine großflächig verglaste Südostfassade. Dies wird erreicht durch Abbruch der bestehenden Südostfassade, Erweiterung der gesamten Gebäudestruktur, und Montage einer wärmegedämmten Alu-Glas-Fassade. Bei allen drei Objekten werden als weitere Maßnahmen zur Energieoptimierung u.a. vorgeschlagen: Wärmedämmung der Außenhülle, luftdicht angebundene Fenster, fixe und bewegliche Beschafttungselemente, kontrollierte Lüftung mit Abluftwärmerückgewinnung, Zuluft über Lochblechkollektoren, Warmwasserkollektoren, Erdkollektoren und die Optimierung der bestehenden Haustechnik.